Schwangerschaft - Welche Arznei ist gefährlich?

Natürlich kenne ich die Sorgen meiner Patientinnen sowie ihre besorgten und zweifelnden Augen, wenn in der Frühschwangerschaft versehentlich Medikamente eingenommen wurden oder aus zwingenden Gründen in der Schwangerschaft Medikamente erforderlich werden. Fast vierzig Jahre nach "Contergan" ist diese Angst allzu verständlich. Leider sind bei der Beratung der Schwangeren die Beipackzettel der Medikamente keine Hilfe. Mit so unbestimmten Formulierungen wie "relativ kontraindiziert" oder "nur bei strenger Indikation" ziehen die Hersteller den Kopf aus der Schlinge und überlassen die Verantwortung dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin. Man weiß heute, dass, auf alle Schwangerschaften gerechnet, ungefähr 3 % der Neugeborenen Fehlbildungen unterschiedlichen Ausmaßes aufweisen. Die Ursachen dafür sind nur zu einem ganz geringen Teil auf äußere Einflüsse wie Medikamente zurückzuführen. Unbekannte Ursachen und vor allem genetische Faktoren überwiegen bei weitem.

Welches sind nun die wichtigen Gesichtspunkte? In der frühen Phase der Schwangerschaft bis zum Ausbleiben der Menstruation führt eine medikamentöse Zellschädigung zur Fehlgeburt und nicht zu einer Fehlbildung. Bis zum Abschluss der Organentwicklung (ca. zehn Wochen nach der Befruchtung) wird man naturgemäß mit Medikamenten besonders zurückhaltend sein. Andererseits muss die versehentliche Einnahme von problematischen Medikamenten in dieser sensiblen Phase der Schwangerschaft nicht zu Panikreaktionen führen. 90 % der Kinder kommen auch danach gesund auf die Welt.

Es ist selbstverständlich, dass während der Schwangerschaft eine sorgfältige Ultraschalldiagnostik durchgeführt wird, die heute auch mit der Farbdoppler-Sonographie ergänzt werden kann. Bei bestimmten, in der Schwangerschaft auftretenden Erkrankungen ist die Arzneitherapie erforderlich, um Mutter und Kind nicht zu gefährden.

Blutdrucksenkende Medikationen während der Schwangerschaftsgestose, bestimmte Antibiotika bei der Nierenbeckenentzündung oder eitrigen Bronchitis, eine Weiterführung der Asthma-Therapie sind auch im Interesse des Kindes dringend geboten, um einige Beispiele zu nennen. Natürlich kann der Zahnarzt seine Lokalanästhesie vornehmen, wenn ein Zahn gezogen wird. Paracetamol als Schmerzmittel ist in jeder Phase der Schwangerschaft möglich. Ja selbst die mit großer Angst besetzte Röntgenaufnahme schadet dem Kind nicht, wenn nach einem Unfall ein Knie oder Sprunggelenk geröntgt werden muss. Ebenso ist es möglich, in der Schwangerschaft Operationen durchzuführen, wie z.B. die Entfernung eines entzündeten Blinddarms.

Im Gegensatz zu der überhöhten Sorge bei Medikamenten steht in vielen Fällen die Unbekümmertheit, mit der Alkohol oder Zigaretten während der Schwangerschaft regelmäßig konsumiert werden. Hiervor muss mit großem Nachdruck gewarnt werden. Weitere Informationen zum Thema Medikamenteneinnahme während der Schwangerschaft sowie Ernährungstipps während der Schwangerschaft erhalten Sie in meiner Praxis.

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